Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unseren Datenschutzhinweisen.
VdA - Verband deutscher
Archivarinnen und Archivare e.V.

Das Stadtarchiv Mühlhausen - Preisträger des Thüringer Archivpreises 2016

Zum fünften Mal seit 2011 kürte am 31. Mai d. J. eine sechsköpfige Jury aus Vertretern aller Archivsparten einen Preisträger für den "Archivpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen in Verbindung mit dem Landesverband Thüringen im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.", kurz "Thüringer Archivpreis". Der Preis geht in diesem Jahr an das Stadtarchiv Mühlhausen, nach 2014 also erneut an ein kommunales Archiv. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.

v.l.n.r.: Dr. Johannes Bruns (OB der Stadt Mühlhausen), Dr. Jens Riederer (Vorsitzender des LV Thüringen), Dr. Helge Wittmann (für den Preisträger), Dr. Thomas Wurzel (Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen), Peter Bühner (Bürgermeister i.R. und Laudator) Dr. Babette Winter (Staatssekretärin für Kultur und Europa in der Thüringer Staatskanzlei). Foto: Sascha Willms, Stadtarchiv Mühlhausen

Das über 800jährige Archiv der ehemaligen Reichsstadt Mühlhausen ist mit seiner fast ungebrochenen Überlieferung eines der ältesten und bedeutendsten Stadtarchive Thüringens. Es verfügt über einen einmaligen Altbestand an Urkunden, Chroniken, Akten und Karten, die fast ohne Verluste überkommen sind und noch heute an historischer Stelle im Rathaus in z.T. originalem Archivmobiliar verwahrt werden. Mühlhausen ist damit ein Musterbeispiel für ein städtisches Ratsarchiv.

Seine herausragenden Bestände haben nicht zufällig umgehend das Interesse der in den neuen Bundesländern ab 1990 aufblühenden Landesgeschichtsforschung auf sich gezogen. Um das große Forschungsinteresse zu bündeln und zu koordinieren rief das Stadtarchiv Mühlhausen zur Gründung eines Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichtsforschung auf, der bei Historikern und Archivaren auf ein großes Echo stieß. Der am 7. November 2011 gegründete selbständige Arbeitskreis widmet sich seitdem der Erforschung der bis 1806 bestehenden sog. Reichstädte, die keinem Landesherren unterstanden, sondern unmittelbar dem Kaiser, womit diese Städte sowohl Stadt-, wie auch Reichsgeschichte widerspiegeln.

Reichsstädtisches Archiv im Stadtarchiv Mühlhausen. Foto: Stadtarchiv Mühlhausen, Fotosammlung; Fotografin: Tino Sieland

Der "Mühlhäuser Arbeitskreis für Reichsstadtgeschichte" führt seit 2013 jährlich wissenschaftliche Tagungen durch, mit denen es gelang, nicht allein universitäre und außeruniversitäre Forscher über ein bisher vernachlässigtes Thema miteinander ins Gespräch zu bringen, sondern auch eine Brücke zum geschichtsinteressierten Laienpublikum zu schlagen, ein ausdrückliches Anliegen des Arbeitskreises. Die erste Tagung widmete sich städtischer Identität und städtischer Erinnerungskultur, ein Thema, das in dieser oder jener Form für jede Kommune von Interesse sein kann. Die zweite Tagung 2014 beschäftigte sich mit Darstellungen und Symbolen des Alten Reichs in den Reichstädten, wie sie nur dort zu finden sind. Die dritte Tagung 2015 beschrieb die jenseits der juristischen "Reichsunmittelbarkeit" differenzierten Realverhältnisse, in denen Reichstädte zum Kaiser stehen konnten. Alle diese Tagungsbände zeichnet ein hohes wissenschaftliches Niveau mit intensiver Quellenverarbeitung aus, die über das Phänomen Reichstadt weit hinausweisen, d.h. der Stadtgeschichtsforschung insgesamt neue Impulse geben.

In wenigen Jahren schuf der Leiter des Stadtarchivs Mühlhausen, Herr Dr. Helge Wittmann, als treibende Kraft ein Forschungsnetzwerk, das Mühlhausen weit über Thüringen hinaus bekannt gemacht macht. Mit der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung konnte er einen Partner gewinnen, der die Tagungsreihe finanziell absichert. So hat Herr Dr. Wittmann das Archiv als einen Ort internationaler Begegnungen etabliert wie auch Mühlhausens Stadtmarke als "alte Reichsstadt" profiliert. Ein Archiv, das so präsent ist an der Schnittstelle von wissenschaftlicher Forschung, historischer Öffentlichkeitsarbeit  und touristischem Stadtmarketing, hält die Jury für vorbildlich und damit preiswürdig. Die feierliche Preisübergabe erfolgt am 2. November 2016 um 16 Uhr mit einem Festakt im Historischen Rathaus der Stadt Mühlhausen, wozu alle Archivarinnen und Archivare Thüringens herzlich eingeladen sind.

Zugleich sind alle eingeladen, sich für den Thüringer Archivpreis 2017 zu bewerben; die Frist endet am 31. März 2017. Jedes Archiv in Thüringen kann sich ohne formelle Vorgaben selbst vorschlagen oder von jemandem vorschlagen lassen. Die Kriterien für den Archivpreis finden Sie auf der letzten Umschlagseite dieses Heftes sowie auf der Homepage des VdA unter Landesverband Thüringen, wo zur Hilfestellung auch ein fakultatives Bewerbungsformular zu finden ist. Bewerben sie sich! Dank der Großzügigkeit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen winken wieder 5.000 € Preisgeld, dazu öffentliche Aufmerksamkeit und dankbare Anerkennung für eines unserer Archive.